Sprachenrat Saar / Conseil linguistique de la Sarre / Language Council of Saarland
ein Zusammenschluss von Institutionen aus Kultur, Politik und Wirtschaft des Saarlandes

Saargemünd, 16. Januar 2026
Am 14. Januar 2026 feierte der Sprachenrat Saar auf Initiative der Vereinigung zur Förderung der Zweisprachigkeit (Association pour la promotion du bilinguisme) den Auftakt zur Woche der deutsch-französischen Freundschaft. Der Abend in der Mediathèque de Sarreguemines stand im Zeichen gelebter Partnerschaft, strategischer Visionen und eines klaren Bekenntnisses zur Reziprozität.
Es gibt kaum einen besseren Weg, das neue Jahr zu beginnen, als im direkten Schulterschluss mit engen Partnern. Auf Einladung von und in Kooperation mit den Gastgebern Heiner Bleckmann (Vorsitzender der Vereinigung) und Dr. Wolfgang Bufe (sein Vorgänger) war der Sprachenrat Saar mit einer starken Delegation in der Nachbarstadt präsent. Neben dem Vorsitzenden Prof. Dr. Thomas Tinnefeld unterstrichen auch die ehemaligen Vorsitzenden Prof. Dr. Norbert Gutenberg und Wilfried Schmidt durch ihre Anwesenheit die Kontinuität dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Die Veranstaltung diente als idealer „Startschuss“ für die kommenden Tage: Während die Landeshauptstadt Saarbrücken bereits am 19. Januar zum Empfang lädt, wird am 22. Januar offiziell der Deutsch-Französische Tag begangen.
In seinem Impulsvortrag ordnete Prof. Tinnefeld die Arbeit des Rates zunächst in die Vision der „Eurometropole Saarbrücken“ ein. Im Zentrum seiner Ausführungen stand jedoch die wissenschaftliche Analyse der „Frankreichstrategie Plus“.
Er beleuchtete differenziert, wo die Strategie bereits Früchte trägt, mahnte aber auch, den menschlichen Faktor nicht aus den Augen zu verlieren. Seine zentrale Botschaft des Abends lautete:
„Strategien sind wichtig, aber sie müssen das Herz der Menschen erreichen.“
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum war von großer Offenheit geprägt. In den Wortmeldungen kristallisierten sich folgende Kernpunkte heraus:
Sprache als Schlüssel: Die Sprache hat Prioirität als unverzichtbares Vehikel für interkulturelle Kompetenz. Reine Grammatik- und Vokabelkenntnisse reichen nicht – es geht um das Verstehen des Anderen.
Dialekte als Brücke: Die Teilnehmer betonten, dass wir die essenzielle Rolle der Dialekte nicht vergessen dürfen. Sie sind keine Barriere, sondern oft die stabilste Brücke zum Nachbarn.
Forderung nach Reziprozität: Partnerschaft braucht Gegenseitigkeit. Das Erlernen der deutschen Sprache muss im Elsass und in Lothringen genauso gefördert werden wie die Erlernung des Französischen im Saarland.
Wie sehr diese theoretischen Forderungen bereits im Alltag der Region angekommen sind, zeigte eine Begegnung am Rande des anschließenden Abendessens. Ein deutsch-französisches Ehepaar berichtete, wie seine Entscheidung, sich vor Jahrzehnten bewusst in der Grenzregion niederzulassen, heute Früchte trägt: Es ist als Großeltern multilingualer Enkelkinder voller Stolz.
Der Abend in Saargemünd hat einmal mehr gezeigt: Europa wächst nicht nur durch politische Verträge zusammen, sondern durch gelebte Begegnung. Als Fazit des Abends lässt sich sagen:
„C’est ainsi que grandit l’Europe – de génération en génération, de voisinage en amitié, de la vision à la réalité.“
(So wächst Europa: von Generation zu Generation, von Nachbarschaft zu Freundschaft, von der Vision zur Realität.)
Der Sprachenrat Saar dankt der Médiathèque de Sarreguemines für den wunderbaren Rahmen und der Vereinigung zur Förderung der Zweisprachigkeit (Association pour la promotion du bilinguisme) für die gelungene Kooperation und ihre Initiative.
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