
Sprachenrat Saar / Conseil linguistique de la Sarre / Language Council of Saarland
ein Zusammenschluss von Institutionen aus Kultur, Politik und Wirtschaft des Saarlandes

Saarbrücken 22. März 2026
Das internationale Symposium „Internationalisierung der Hochschulbildung, Mehrsprachigkeit und Übersetzung“ wurde vom 19. bis zum 20. März 2026 in Saarbrücken vom Sprachenrat Saar und der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) für die European Civil Society Platform for Multilingualism (ECSPM) ausgerichtet. Die Veranstaltung markiert eine weitere Etappe mit Vorschlägen für eine zeitgemäße europäische Hochschullandschaft.
Angesichts globaler gesellschaftlicher Volatilität diente diese Veranstaltung nicht zuletzt dazu, die Synergie zwischen akademischer Exzellenz und institutioneller Diplomatie im Herzen der Großregion zu verankern. Der Tagungsort Saarbrücken bot gleichsam als Brückenkopf der deutsch-französischen Kooperation mit dem repräsentativen VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss sowie dem Sprachenrat Saar und der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) als Veranstalter den adäquaten Rahmen für diesen grenzüberschreitenden Diskurs.
Das Symposium stand unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Saarbrücken und wurde von der Landeshauptstadt Saarbrücken sowie der Staatskanzlei des Saarlandes aktiv unterstützt.
Die institutionelle Einbettung und diese hochrangige Unterstützung unterstrichen die politische Relevanz der Mehrsprachigkeit als infrastrukturelle Voraussetzung für die europäische Integration.
Die strategische Tragweite des Symposiums wurde durch die explizite Anerkennung auf höchster politischer Ebene untermauert, was eine unmissverständliche Signalwirkung an die internationale akademische Gemeinschaft entfaltete.
Ein besonderer Dank gilt der Staatskanzlei des Saarlandes für ihre substantielle sprachpolitische Unterstützung, die die konzeptionelle Realisierung dieses Formats ermöglichte.
Die Ministerpräsidentin Anke Rehlinger betonte zudem in ihrem schriftlichen Grußwort die Vorbildfunktion des Saarlandes als Modellregion für gelebte Mehrsprachigkeit:
Am zweiten Veranstaltungstag würdigte der Chef der Staatskanzlei und Bevollmächtigter für Europaangelegenheiten, David Lindemann, in seiner Grußrede die wissenschaftliche Kooperation als fundamentales Friedensprojekt und hob die Relevanz der Frankreichstrategie für die interkulturelle Kohäsion hervor.
Die potentielle Rolle von Sprache als Friedensprojekt fasste David Lindemann so:
„Wenn wir an einen Punkt kämen, an dem jeder auf der Welt die andere Kultur und die andere Sprache besser verstünde, gäbe es insgesamt ein größeres Verständnis für die Menschheit, und es gäbe hoffentlich Frieden.“
Ein weiterer Dank gebührt dem Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt, dessen Videobotschaft die gastfreundliche Aura der Landeshauptstadt transportierte, sowie Frau Bürgermeisterin Barbara Meyer, die vor Ort ein Grußwort hielt. Ihre Präsenz unterstrich die Verbundenheit zwischen kommunaler Verwaltung und akademischem Fortschritt. Diese politische Flankierung bildete das Fundament, auf dem die inhaltlichen Kernziele der Veranstaltung zur Entfaltung kamen.
Frau Meyer unterstrich die Perspektive der Stadtverwaltung mit folgenden Worten:
„Mehrsprachigkeit spielt in all dem eine entscheidende Rolle. Ich denke, sie ist der Schlüssel zu einer inklusiven Gesellschaft.“
Das Symposium verfolgte das übergeordnete Ziel, die Internationalisierung der Hochschulbildung (Higher Education – HE) als Bollwerk gegenüber den aktuellen Herausforderungen des Antiliberalismus und der populistischen Polarisierung zu definieren. In einem Klima zunehmender Isolationismus-Tendenzen wurde auf der Veranstaltung analysiert, wie Universitäten durch die methodische Achtung sprachlicher Diversität und kultureller Differenz nachhaltig als Räume des kritischen Diskurses verankert werden können. Die strategische Verknüpfung mit der Frankreichstrategie des Saarlandes verdeutlichte dabei, dass Mehrsprachigkeit kein bloßes Bildungsideal ist, sondern vielmehr eine infrastrukturelle Notwendigkeit für die Verbreitung von Wissen darstellt. In diesem Kontext wurde die Übersetzung als Schlüsseltechnologie identifiziert, um den Zugang zu globalen Erkenntniswegen auch in Zeiten politischer Instabilität zu sichern.
Ein weiterer Dank gebührt dem Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt, dessen Videobotschaft die gastfreundliche Aura der Landeshauptstadt transportierte, sowie Frau Bürgermeisterin Barbara Meyer, die vor Ort ein Grußwort hielt. Ihre Präsenz unterstrich die Verbundenheit zwischen kommunaler Verwaltung und akademischem Fortschritt. Diese politische Flankierung bildete das Fundament, auf dem die inhaltlichen Kernziele der Veranstaltung zur Entfaltung kamen.
Thomas Tinnefeld (Sprachenrat Saar und htw saar) – Begrüßung und Eröffnung. Professor Tinnefeld betonte die Rolle der htw saar als Zentrum für grenzüberschreitenden akademischen Austausch und die Bedeutung des Sprachenrats Saar für die Förderung sprachlicher Vielfalt als Antwort auf Isolationismus.
Bessie Dendrinos (ECSPM) – Als ECSPM-Präsidentin erläuterte Frau Professor Dendrinos die kontextuelle und inhaltliche Strukturierung des Symposiums und die Rolle des CURUM-Forschungsnetzwerks. Sie betonte die Notwendigkeit, Forschung in politische Maßnahmen umzusetzen, um soziale Inklusion und die Resilienz europäischer Hochschulen durch Mehrsprachigkeit zu stärken.
Christos Ellinides (Director-General, Generaldirektion Übersetzung, Europäische Kommission) – Sprachdaten für die europäische KI Thema: Strategien für technologische Souveränität und linguistische Parität in der EU.: Herr Ellinides präsentierte die ambitionierte Strategie der EU zur Sicherung der digitalen Souveränität durch das Projekt eines institutionellen LLM (Large Language Model). Er betonte: „Translation ist im Grunde ein menschlicher Prozess… unser wichtigstes Kapital war und wird immer unser Personal sein.“ Dazu lieferte er beeindruckende Daten zur URAMIS-Datenbank, die mittlerweile über 2 Milliarden Sätze umfasst und täglich um 400.000 Sätze wächst. Besonders hob er die Kooperation mit dem französischen Open-Source-Modell Mistral zur Schaffung eines KI-Ökosystems hervor, das höchste Transparenz und GDPR-Konformität garantiert. Sein Vortrag verdeutlichte das Ziel, durch massive Investitionen in Supercomputing (z.B. MareNostrum 5) sicherzustellen, dass im digitalen Raum keine europäische Sprache zurückgelassen wird. Zum Abschluss fasste er die strategische Notwendigkeit zusammen:
„Um unsere Identität zu bewahren und Chancengleichheit für die gesamte EU zu gewährleisten, ist es unerlässlich, dass alle europäischen Sprachen im Bereich, in der Sphäre, in der Welt der KI gut und gleichberechtigt vertreten sind.“
„Der Anspruch, ein KI-Kontinent zu werden, auf dem niemand und keine Sprache zurückgelassen wird, ist ein Anliegen, das wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.“.
Andrea Petö (CEU Wien) – Frau Professor Petö lieferte eine Analyse der Erosion akademischer Freiheit durch illiberale Politik. Sie betonte die Notwendigkeit, Mobilitätsprogramme vor populistischer Instrumentalisierung zu schützen und demokratische Werte in der akademischen Welt jeden Tag neu zu verteidigen.
Terry Lamb (University of Westminster) – Wege zur inklusiven mehrsprachigen Universität: Professor Lamb schlug vor, die sprachliche Diversität urbaner Räume als institutionelles Kapital zu nutzen. Er kritisierte rein monolingual ausgerichtete Vielfalts- und Inklusionsstrategien, die das Potenzial multilingualer Studierender ignorieren, und betonte, dass die Transformation zum plurilingualen Habitus die globale Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen signifikant steigert.
Monté El Mahjoubi (Tilburg University) – De-Internationalisierungspolitik in den Niederlanden: Auswirkungen politischer Restriktionen auf das Zugehörigkeitsgefühl Studierender. Zusammenfassung: El Mahjoubi analysierte, wie restriktive Maßnahmen in den Niederlanden ein „feindseliges Umfeld“ schaffen.
Antonella Sorace (University of Edinburgh) – Frau Professor Sorace erläuterte die Arbeit der Vereinigung Bilingualism Matters für die Vermittlung kognitiver und sozialer Vorteile von Mehrsprachigkeit. Sie betonte die Notwendigkeit wissenschaftlich fundierter Entscheidungen und sah die Übersetzung als zentrales Werkzeug für informierte politische Weichenstellungen.
Kristin Vold Lexander (Inland Norway University) – Frau Professor Lexander präsentierte das DIALOGUES-Projekt, das Inklusion durch Digitalisierung und dekoloniale Nord-Süd-Zusammenarbeit in der Lehrerbildung Sambias fördert. Durch die Integration lokaler Sprachen in digitale Bildungssysteme wird der Zugang für marginalisierte Gruppen verbessert und ein Beitrag zur epistemischen Gerechtigkeit geleistet.
Marte Nordanger (Inland Norway University) – Frau Nordanger analysierte die ethischen Konsequenzen von Sprachtests als Voraussetzung für den Aufenthalt in Norwegen. Sie warnte vor einer Instrumentalisierung von Bildung und der Umwandlung von Sprachunterricht in ein Werkzeug staatlicher Disziplinierung, wenn Grundrechte an ein bestimmtes Sprachniveau geknüpft werden.
Jan Engberg (Aarhus University) – Professor Engberg sah die Übersetzung als individuellen Wissensaufbau am Beispiel der Fachsprache des Rechts. Er forderte eine bessere Vorbereitung von Akademikern auf mediierte Interaktion, um tatsächliches Verständnis beim Zielpublikum zu sichern.
Effie Fragkou (NKUA) – Sie definierte Übersetzung als strategische Infrastruktur für die globale Wissenszirkulation und eine offene Wissenschaft und forderte die Abkehr von einem reinen Service-Modell hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem vorhandenen Wissen zur Förderung epistemischer Gerechtigkeit.
Aleksandar Trklja (Universität Innsbruck) – Analyse des Wandels der Wissensübersetzung durch generative Systeme und Supercomputing (Leo 5 Cluster). Herr Professor Trklja betonte die Rolle von Übersetzern als „epistemische Mediatoren“, die wissenschaftliche Autonomie gegenüber KI-Automatisierung sichern müssen.
Carla Bohndick, Sílvia Melo-Pfeifer & Sarah McMonagle (Universität Hamburg/LiDS) – Integration internationaler Ansätze in Forschung und Lehre. Zusammenfassung: Die Referentinnen des LiDS-Zentrums analysierten in der Zaba-Studie, wie Persönlichkeitsmerkmale und soziale Interaktionen das Zugehörigkeitsgefühl internationaler Studierender beeinflussen. Sie betonten die Relevanz des Service Learning in der Lehrerbildung, um Universitäten enger mit diversen Gemeinschaften zu verknüpfen, und sahen Universitäten als Laboratorien für soziale Gerechtigkeit.
Theo Marinis & Andrea Young et al. – Die beiden Professoren präsentieren zusammen mit drei Doktorandinnen das ACTIN-Projekt und in dessen Rahmen Ergebnisse aus sieben Ländern zur Integration migrantischer Jugendlicher. In diversitätsorientierten Schulen mit bis zu 55 Sprachen wurden Ansätze wie pädagogisches Translanguaging und die sogenannte Sprachwoche erprobt, um Erstsprachen aktiv im Unterricht zu nutzen. Die Kooperation zwischen Universitäten und NGOs erwies sich dabei als hilfreich für eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration.
Per Urlaub & Eva Dessein (MIT) – Herr Professor Urlaub und Frau Dr. Dessein plädierten für die bewusste Integration von KI in die Lehre anstelle eines KI-Verbots. Sie betonten die Förderung kritischer KI-Beherrschung und die produktive Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, um in einer zunehmend technisierten Welt intellektuelle Autonomie zu wahren.
Die wissenschaftliche Exzellenz des Symposiums wurde durch die Moderation erfahrener Experten flankiert. Irini Tsamadou-Jacoberger leitete die Debatte zu Frau Petös Thesen über Antiliberalismus und betonte die Rolle der akademischen Diplomatie. Waldemar Martyniuk und Jos Swanenberg moderierten die Sektionen zu Inklusion und De-Internationalisierung, wobei sie die Diskrepanz zwischen politischem Diskurs und studentischer Realität herausarbeiteten. Weitere Impulse von Tanja Rinker, Agnieszka Moraczewska, Monica Barni, Ulrike Jessner-Schmid, Latisha Mary, Maria Zerva und Nikolay Slavkov synthetisierten die theoretischen Beiträge mit praktischen Implikationen für die Lehrerbildung und die ethische Gestaltung von KI-Systemen.
Die organisatorische Umsetzung des Symposiums entsprach höchsten internationalen Standards und betonte die Bedeutung von Inklusion und Zugänglichkeit:
Das Symposium 2026 hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Internationalisierung der Hochschulbildung untrennbar mit einer proaktiven Mehrsprachigkeitspolitik und einer robusten digitalen Übersetzung-Infrastruktur verbunden sein sollte.
Notwendig sind nun weitere Schritte: Das geplante akademische Forum des ECSPM in Straßburg wird den Dialog vertiefen, während die Weiterentwicklung des European Language Data Space die technologische Souveränität Europas sichern wird. Ziel bleibt Europa als ein Kontinent, der keine Sprache und keine Kultur zurücklässt – eine Vision, die durch den Austausch in Saarbrücken an konkreter institutioneller Kontur gewonnen hat. Es besteht die Notwendigkeit und gleichzeitig die Verpflichtung, diese Erkenntnisse in nachhaltige politische Strukturen zu überführen.
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