Sprachenrat Saar / Conseil linguistique de la Sarre / Language Council of Saarland
ein Zusammenschluss von Institutionen aus Kultur, Politik und Wirtschaft des Saarlandes

Nancy, 29. März 2026
Welche Rolle spielt die Sprache in grenzüberschreitenden Beziehungen? Dieser Frage ging der Sprachenrat Saar am 26. und 27. März 2026 als Teilnehmer bei den 4. Deutsch-Französischen Tagen in Nancy (Frankreich) nach. Unter dem Leitthema „Langue et pouvoir“ (Sprache und Macht) diskutierten Expertinnen und Experten, wie Sprache die institutionelle Zusammenarbeit und den Alltag in der Großregion maßgeblich strukturiert.
Die Veranstaltung wurde von der Maison des Sciences de l’Homme (MSH) Lorraine und der Maison Interuniversitaire des Sciences de l’Homme – Alsace (MISHA) in Kooperation mit dem Centre interdisciplinaire d’études et de recherches sur l’Allemagne (CIERA) und dem Goethe-Institut Nancy organisiert. Zentrales Thema war die Rolle der Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als strukturierendes Element für Vertrauen und grenzüberschreitendes Handeln.
Das Programm des zweitägigen Symposiums beleuchtete die historische und gesellschaftspolitische Dimension des Themenbereichs Sprache und Macht. Zur Eröffnung begrüßten Nicolas Brucker (MSH Lorraine), Nicolas Hubé (CIERA) und Sima Reinisch (Goethe-Institut Nancy) die Teilnehmer. Die wissenschaftliche Leitung oblag Guido Braun, Karim Fertikh und Hélène Vinckel-Roisin.
Den Auftakt machte Prof. Françoise Rétif (Universität Rouen). In ihrem Vortrag „Langue dévoyée, langue perdue – langue sauvée“ sezierte sie die ambivalente Natur sprachlicher Machtverhältnisse. Der anschließende akademische Diskurs spannte einen weiten Bogen: Während Nicolas Batteux und Prof. Sylvie Grimm-Hamen (Université de Lorraine) historische sowie kulturelle Facetten des germanophonen Raums beleuchteten, erweiterten Prof. Gregory Hamez, Prof. Vladislav Rjeoutski und Prof. Adam Wilson in ihren jeweiligen Vorträgen das Tableau durch vielschichtige interdisziplinäre Forschungsansätze.
„Sprache macht Politik“ – so brachte es Prof. Dr. Thomas Niehr (RWTH Aachen) in seiner Keynote auf den Punkt. Er demonstrierte eindrucksvoll, wie gezielte Wortwahl unsere Wahrnehmung manipuliert.
Ob „Krieg“ oder „Friedensmission“, „Polizeieinsatz“ oder „Krise“ – Begriffe sind keine neutralen Beschreibungen, sondern mächtige Werkzeuge, mit denen Politik und Medien Realitäten formen und Stimmungen steuern.
Die Frage, wie diese bewusste Wortwahl zur Gestaltung politischer Realitäten genutzt wird, zog sich als Leitmotiv durch den zweiten Tag des Symposiums. Dr. Daniela Rüther (Ruhr-Universität Bochum) referierte über die politische Instrumentalisierung von Sprache im Kontext von Gender-Debatten. Prof. Vincent Balnat (Universität Straßburg) untersuchte die Sprache der Klima- und Umweltpolitik in Wahlprogrammen.
Die Erkenntnisse des Symposiums unterstreichen indirekt auch die strategische Bedeutung der Mehrsprachigkeit für das Saarland. Der Sprachenrat Saar sieht darin eine Bestätigung der landeseigenen Frankreichstrategie: Die Förderung der Nachbarsprache ist kein reiner Bildungsauftrag, sondern das Fundament für eine erfolgreiche, gleichberechtigte Kommunikation und Kooperation in der Grenzregion.
Im Namen des Sprachenrats Saar und unseres Vorsitzenden, Prof. Dr. Thomas Tinnefeld, bedanken wir uns herzlich bei allen Organisatoren, der Université de Lorraine und den Referentinnen und Referenten für dieses überaus anregende Programm. Der Sprachenrat Saar freut sich, auf diesem wertvollen Austausch aufzubauen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in seine praktische Arbeit einfließen zu lassen und die deutsch-französische Freundschaft weiter zu stärken.
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