„Zufällige Sprachreisen“
Wie Sprache den Blick auf die Welt verändert
Saarbrücken, 24. Juli 2026
Am 22. Juli 2026 begrüßte der Sprachenrat Saar Prof. Dr. Doris Hambuch zu einem öffentlichen Vortrag in der Volkshochschule Saarbrücken. Unter dem Titel „Zufällige Sprachreisen“ nahm die aus dem Saarland stammende Literatur- und Filmwissenschaftlerin das Publikum mit auf eine persönliche Reise durch verschiedene Länder, Sprachen und kulturelle Erfahrungswelten.
Anhand persönlicher Fotografien, Erinnerungen und literarischer Texte zeigte Doris Hambuch, wie Begegnungen mit Menschen und Kulturen ihren wissenschaftlichen und beruflichen Weg geprägt haben.
Von Saarbrücken in die Welt
Nach ihrem Studium der Amerikanistik an der Universität des Saarlandes führten Studien-, Forschungs- und Lehrtätigkeiten Doris Hambuch zunächst nach Nordamerika und in die Karibik und später auf die Arabische Halbinsel. Zu ihren akademischen Stationen zählen die University of Alberta, die Western Illinois University, die King Saud University und die United Arab Emirates University. Heute lehrt sie in Al Ain als Associate Professor für Literatur- und Filmwissenschaft.
Der Titel „Zufällige Sprachreisen“ verwies dabei keineswegs auf einen planlosen Lebensweg. Vielmehr veranschaulichte die Referentin, wie Gespräche, Einladungen und unerwartete Begegnungen neue Interessen wecken und berufliche Entscheidungen beeinflussen können.
Sprache im kulturellen Zusammenhang
Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Zusammenspiel von Sprache, Literatur und kultureller Erfahrung. Anhand eines Auszugs aus Derek Walcotts Vers-Epos Omeros erläuterte Doris Hambuch, wie der aus St. Lucia stammende Dichter Englisch und Kreolisch miteinander verbindet und auf diese Weise die mehrsprachige Lebenswirklichkeit der Karibik lebensecht einfängt.
Manche Redewendungen und Wortspiele – so die Beobachtung der Referentin – erschließen sich erst durch die unmittelbare Begegnung mit einer Sprache und ihrem kulturellen Umfeld.
Auch in ihren eigenen lyrischen Texten beschäftigt sich Doris Hambuch mit Mehrsprachigkeit und kulturell geprägter Wahrnehmung. Sie präsentierte eigene Gedichte auf Deutsch, Englisch und Niederländisch und zeigte auf, wie sich Bedeutungen, Klänge und Wortspiele beim Wechsel zwischen den Sprachen verändern.
Neue Perspektiven durch Sprache und Schrift
Besonders anschaulich wurde das Zusammenspiel von Sprache und Schrift in ihrem Gedicht „Changing Perspective“ und dessen deutscher Eigenübersetzung „Ansichtswechsel“. Darin nahm sie die unterschiedlichen Leserichtungen englischer und arabischer Texte zum Ausgangspunkt.
Selbst eine scheinbar vertraute Handlung wie das Öffnen und Lesen eines Buches, so wurde deutlich, ist von sprachlichen und kulturellen Gewohnheiten geprägt. Vor diesem Hintergrund kann die Begegnung mit anderen Schriftsystemen auch den Blick auf vermeintlich Selbstverständliches verändern.
Anregender Austausch mit dem Publikum
In der anschließenden Fragerunde griff das Publikum zahlreiche Themen des Vortrags auf. Zur Sprache kamen unter anderem das Sprachenlernen in unterschiedlichen Lebensphasen, akademisches Arbeiten in verschiedenen kulturellen Kontexten und die Bedeutung persönlicher Begegnungen für berufliche Entscheidungen.
Die positive Resonanz setzte sich nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung in zahlreichen persönlichen Gesprächen fort. Die Verbindung von biographischen Erinnerungen, historischen Fotographien und literarischen Beispielen bot vielfältige Anknüpfungspunkte für den weiteren Austausch.
Zum Abschluss dankte Prof. Dr. Thomas Tinnefeld, Vorsitzender des Sprachenrats Saar, der Referentin für ihren autobiographischen und facettenreichen Vortrag. Der Abend unterstrich eindrucksvoll, wie eng Sprache, Literatur, kulturelle Wahrnehmung und menschliche Begegnungen miteinander verbunden sind.