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Protokoll des "runden Tischs" zur Mehrsprachigkeit

am 01.02.2012 im Alten Rathaus in Saarbrücken

Teilnehmer: Roman Lutz (Arbeitskammer des Saarlandes), Stéphanie Bruell (Europäische Akademie Otzenhausen), Klaus Dittrich (Radio Salü), Hubert Maschlanka (GEW, BBZ), Bettina Schwandt (Zentrum für Lehrerbildung, Universität des Saarlandes), Waltraud Andruet (Gesamtlandeselternvertretung), Annemarie Schmidt (GLEV), Heiner Zietz (Verband der Volkshochschulen des Saarlandes, 2. Vorsitzender des Sprachenrat Saar), Norbert Gutenberg (Universität des Saarlandes, 1. Vorsitzender des Sprachenrat Saar), Klaus Kessler (Bündnis 90 die Grünen, Landesvorstand), Albert Raasch (Ehrenvorsitzender des Sprachenrat Saar), Elfriede Nikodemus, Dieter Schäfer (Handwerkskammer), Volker Schuler (Deutscher Gewerkschaftsbund), Gerd Heger (SR3 Saarlandwelle), Simone Rebstock (deutsche Delegierte DFS/ SFA), Ariane Kläs (Saarländischer Philologenverband), Franziska Ziegelmeyer (Industrie- und Handelskammer Saarland), Peter Nagel (IHK Saarland), Rolf Wittenbrock (Universität des Saarlandes), Joachim Mohr (Bildungsministerium), Joachim Malter (VSU), Claudia Polzin-Haumann (Universität des Saarlandes), Christina Reissner (UdS)

Protokoll führte Katrin Teichmann, Hilfskraft des Sprachenrat Saar

Zunächst stellte der 1. Vorsitzende des Sprachenrat Saar, Herr Prof. Norbert Gutenberg, seine Vision einer 'gelebten Mehrsprachigkeit' den Teilnehmern des "Runden Tisch" vor. Da Zustimmung zu dieser Ansicht herrschte, wurde das Anliegen einer praktizierten Mehrsprachigkeit im Saarland als gemeinsames Ziel festgehalten. Als nächster Schritt müsse der Mehrwert insbesondere der Bedeutung von Französischkenntnissen für den persönlichen und ökonomischen Bereich an die Eltern herangetragen werden. Hierzu sieht Gutenberg vor, eine Machbarkeitsstudie von zwei bis drei Jahren in Auftrag zu geben, die den tatsächlichen Bedarf und die Chancen eines solchen Vorhabens prüfen solle und für die ca. 70.000 Euro pro Jahr aufzuwenden seien.

Als Vorschlag zur Finanzierung einer solchen Machbarkeitsstudie wurde im Vorfeld die Idee eines Interreg-Antrags vorgebracht (Frau Lang, VSU). Zudem wies Herr Maschlanka (GEW, BBZ) auf eine Möglichkeit in der Tourismusförderung hin. Frau Bruell (EAO) brachte den Aspekt einer Unterstützung durch Stiftungen – insbesondere mit deutsch-französischem Hintergrund oder der Robert-Bosch-Stiftung ein, zu deren Kontaktvermittlung Sie sich bereit stellen würde.

Herr Malter (VSU) betont, dass von Seiten der Wirtschaft zunächst eine verbindliche Zusage der Politik nötig sei, die die Verantwortung der Mittel klar regele. Erst dann würde er sich für eine konkrete Umsetzung der Mehrsprachigkeit einsetzen.

Von praktischen Erfahrungen mit französischen Gesellschaftern bei dem Sender Radio Salü berichtet Herr Dittrich, zu denen er ebenfalls einen Kontakt herstellen könne. Hierfür müssten jedoch klare Kalkulationen und eine überzeugende Argumentation vorliegen.

Herr Maschlanka weist auf die Rolle von Französischkompetenzen im Pflegebereich hin, die jedoch eine wechselseitige Ausbildung im Saarland und in Frankreich erfordere. Hier sei z.B. die Stiftung Hospital St. Wendel finanzieller Förderer. Gleiches sei für den Ausbau von Städtepartnerschaften denkbar.

Den Vorschlag Herrn Gutenbergs, zunächst eine Anschubfinanzierung anzuvisieren und dann weitere Träger für eine Machbarkeitsstudie zu suchen, weist Herr Malter als "zu langwierig" ab. Er als Vertreter der Wirtschaft ziehe bei solch einem Projekt erst mit, sobald ein "ja" der Landesregierung falle. Auch Herr Schuler (DGB) betont, dass er in der Politik und den Vertretungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die wichtigsten Akteure dieses Vorhabens sehe; in Anbetracht der immer wieder auftretenden, politischen Veränderungen brauche die Forschung vermutlich zu lange für konkrete Ergebnisse. Außerdem macht er den Vorschlag, dass der Sprachenrat Saar sich bei dem jährlich stattfindenden "Runden Tisch" der Landesregierung einbringen könne.

Während Frau Polzin-Haumann (UdS) die positive Entwicklung der Mehrsprachigkeit z.B. durch das Sprachenkonzept der Landesregierung nennt, geht Herr Wittenbrock (UdS) auf die Voraussetzung der Zweisprachigkeit für Einpendler in Luxemburg ein und erachtet im Saarland als einem 'Arbeitnehmer-Gastgeberland' die Sprachkompetenz nicht nur im Bildungswesen, sondern auch durch Arbeitnehmerqualifizierungen und multidisziplinäres Arbeiten als notwendig.

Um diesen Prozess der Mehrsprachigkeit zu beschleunigen, sei die Studie ein wichtiges Instrument, betont Herr Gutenberg. Als eine Art "Lobby" sollten sich der Sprachrat Saar, die IHK, die HWK, der DGB, die VSU, die Arbeitskammer und die Arbeitsvermittlung an den "Runden Tisch" der Landesregierung setzen. Dieser Idee stimmen Herr Malter und Herr Schuler zu. Es gelte, eine verbindliche Zusage der Landesregierung zu erreichen, danach können man eine Studie in Angriff nehmen.

Herr Zietz (VHS) betont, dass das Sprachenkonzept der Landesregierung als Anknüpfungspunkt für weitere Schritte dienen könne, um ein gemeinsames Ziel zu vereinbaren.

Die Idee, den anstehenden Wahlkampf der Parteien zu nutzen, um z.B. zur Weiterfühung der Sprachenpolitik eine Stellungnahme zu fordern, bringt Herr Kessler (Bündnis 90 die Grünen) ein. Während er sich als ehemaliger Bildungsminister eine "blutige Nase" für den Wert des Französischen geholt habe, habe er auf der Seite der Wirtschaft eine ebensolche Wertekampagne vermisst, um die Eltern auf den beruflichen Mehrwert des Französischlernens ihrer Kinder hinzuweisen. Dies sei insbesondere im Saarland ein Alleinstellungsmerkmal, das es seiner Meinung nach zu nutzen gelte.

Abschließend bringt Herr Gutenberg die Absprache in Erinnerung, nach einer verbindlichen Positionierung der Parteien zur Mehrsprachigkeit gemeinsam mit der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung bei dem "Runden Tisch" der Landesregierung diesen breiten Konsens vorzubringen. Den verschiedenen Hinweisen zu weiteren Fördermöglichkeiten könne außerdem nachgegangen werden. Insgesamt könne man gestärkt aus dieser Sitzung gehen, da die Vision der gelebten Mehrsprachigkeit offensichtlich auf einem breiten Konsens beruhe.